Oktober 21, 2019

Wein Meyer

Das Typische der Böden in die Flasche bringen – das ist für Andreas Meyer das A und O. Der junge Winzer hat sich nicht nur mit seinen kräftigen Rieslingen und Weißburgundern, sondern auch mit Rotweinen längt einen Namen gemacht.

Opa Edmund hatte 1949 das Familienweingut in Heuchelheim-Klingen gegründet. Als einer der ersten Winzer in der Region erkannte er die Zeichen der Zeit und startete bereits in den frühen 1950er Jahren mit Flaschenweinfüllung und Direktvermarktung. So konnte das Weingut, das heute Sohn Karl-Heinz und Enkel Andreas verantworten, wachsen.

Das Team bewirtschaftet aktuell 17,5 Hektar, wobei sich Andreas Meyer vor allem um die Vinifikation kümmert, somit über die Stilistik der Weine entscheidet. Verkauf, Kundenbetreuung, Organisation und Büro liegen in Händen von Ehefrau Isabell. Der Senior-Chef geht wie eh und je auf Weintour, um die Stammkunden zu beliefern, während seine Frau Gudrun das leibliche Wohl der „Mannschaft“ im Auge behält. Für den 33-jährigen Weinbautechniker, der in pfälzischen VDP-Spitzenbetrieben seine Ausbildung absolvierte, hat zwar Weinbautradition einen enormen Stellenwert, doch erst gepaart mit modernen Weinbautechniken wird daraus sein Handwerkszeug für die würzig-mineralischen Weißweine, die das Angebot dominieren.

Mit den Lagen Maria-Magdalena in Klingenmünster oder auch dem Heuchelheimer Herrenberg reicht das Spektrum der Böden von Muschelkalk über Löss-Lehm bis hin zum schweren Kalkmergel, der seinen Grauen Burgunder so besonders macht. Meyer sieht sich zwar nicht als „supergrüne Socke“, wie er es gerne formuliert, doch von der Biodynamik im Weinbau bringt ihn keiner mehr ab. „Ich bin fasziniert, wie viel man da lernt“, verweist er vor allem auf seine jüngsten Lehrjahre im Zuge der Bio-Umstellung. „Ich will der Monokultur entgegenwirken.“

Ab 2020 füllt er ausschließlich Bio-Weine ab. Sorgfalt im Weinberg nicht nur bei der Ertragsreduzierung ist für das Weingut Verpflichtung. Im Keller übt er sich dagegen in Zurückhaltung, gönnt seinen Weinen viel, viel Ruhe, um ihren Charakter zu entwickeln. In den Top-Lagen, ob weiß oder rot, wird nur von Hand gelesen. Bei den Basisweinen dagegen kommt schon mal der Vollernter zum Einsatz. Weil sich die Lesezeiten immer öfter verschieben, die Winzer sehr viel rascher reagieren müssen. Wie viele seiner Kollegen setzt Meyer immer mehr Holz ein, öfter auch Stückfässer.

„Ich will einfach die Reifung im Holz haben.“ Wenn es ihm dann noch gelingt, den Restzucker bei maximal vier Gramm zu justieren, ist er zufrieden. Während die Weißweine mit der Blaukapsel, also die Gutsweine, in der Regel in Edelstahl kühl vergären, werden die roten Trauben nicht nur in mehreren Durchgängen gelesen. Die Beeren werden entrappt und klassisch über mehrere Wochen vergoren.

Viele Terroir-Weine, das sind die mit der Silberkapsel, reifen in alten Barriques, Spitzenweine mit der Goldkapsel eher in neuem Holz, das ihnen in der Regel zwei Jahre Raum zur Entfaltung bietet. Bei den Lageweinen liegt der Hektarertrag bei bescheidenen 3000 bis 4000 Liter, die Gutsweine bringen es meist auf die doppelte Menge. Von den jährlich rund 140.000 Flaschen Wein, die bei Meyers etikettiert werden (dazu kommen noch einmal 6000 Flaschen Sek) gehen etwa 45 Prozent an Privatkunden, 5 Prozent in die Gastronomie. Auf Handel und Export kann die andere Hälfte gebucht werden.

Gut im Geschäft ist Meyer vor allem in Skandinavien, Händler in China ordern immer öfter seinen Weißburgunder.

Sehr empfehlenswert: Weingut Meyer aus der Pfalz

TEST